15. Kapitel:
Im Winterquartier
Ende
November war es kalt geworden. "Ennio, es wird Zeit, daß Du Dich an Dein
Winterquartier gewöhnst", fand meine Margit, "sonst verkühlst Du
Dich noch!" "Iiiiich? Verkühlen?" widersprach ich, "Es ist
doch noch nicht so kalt, und Strolchi darf auch noch draußen schlafen!"
"Ennio!" Die Stimme meiner Margit klang streng, "Wenn Du Dich
verkühlst, mußt Du Rum mit Tee trinken!"
Schon der
Gedanke daran, daß ich Alkohol trinken müsse, ließ mich erbost aufschreien: "Waaas?
Rum mit Tee? Pfudeixelhimmelkreuzdonnerwetter, das ist gemäß §107 StGB eine
gefährliche Drohung! Kein anständiges Motorrad trinkt Rum mit Tee! Die anderen
Motorräder in unserer Gasse dürfen auch noch draußen schlafen!"
"Ennio,
mein Schatzerl, die müssen draußen schlafen,
weil sie keine Garage haben", erklärte meine Margit und quittierte meinen
wütenden Aufschrei mit einem Grinsen, "das sind im Grunde genommen ganz
arme Motorräder."
"Ennio,
mein Freund und Benzinbruder", ließ sich Strolchi vernehmen, "ich
schlafe im Winter auch in der Garage! Das ist erstens viel gemütlicher,
zweitens haben wir sicher sehr viel Spaß, und außerdem wohnen in der Garage
einige Motorräder, die Du noch nicht kennst!"
"OK -
überredet", gab ich klein bei.
Ein
weiteres Argument, im Winter in der Garage zu wohnen, war das verfrühte
Weihnachtsgeschenk, das ich bekommen habe: Heizbare Lenkergriffe! Es war nicht
ganz einfach, weil man meiner Margit in dem Geschäft zweimal falsche Griffe
gegeben hat! Leider wußte Margit nicht, daß es "zöllige" und
"metrische" Griffe gibt. Norbert hat das sofort gewußt und das
Problem erkannt. Margit ist noch einmal in das Geschäft gefahren, um die Griffe
umzutauschen. Die richtigen waren aber nicht lagernd.
Nach einer
Woche bekam Margit eine SMS: Die Griffe sind da. Leider hat man ihr schon
wieder die falschen gegeben! Norbert hat sehr geschimpft, Margit hat auch
getobt - aber nur ein bißchen! Dann hat Norbert die Sache selbst in die Hand
genommen und die richtigen Griffe geholt. Margit durfte nicht mitfahren: wütend,
wie sie war, hätte sie möglicherweise Hausverbot bekommen! "Die glauben
wohl, weil ich eine Frau bin, können sie mich verarschen!" war noch
harmlos. Margits restliche Anmerkungen wage ich nicht zu wiederholen: Ich bin
ohnedies schon rot genug.
Norbert hat
die richtigen Griffe besorgt und mir in unserer Garage montiert. Die Montage
hat zwar ein bisserl weh getan, es war aber nicht wirklich schlimm. Dann hat
Norbert meine Batterie ausgebaut! Jetzt kann Margit nicht mehr mit mir das
Fahren in der Garage üben!
"Ennio",
erklärte mir Norbert, "nur das Fahren über die steilen Auffahrten kannst
Du nicht mit Margit üben. Das sind viel zu kurze Strecken, ganz schlecht für
Deinen Motor. Außerdem bekäme Margit Probleme mit der Hausverwaltung. Margit
hängt Deine Batterie ans Ladegerät, dort bleibt es bis zum Frühjahr, und wenn
wieder schönes Motorradwetter ist, bekommst Du Deine Batterie gut vollgeladen
zurück." Tja - was soll ich dazu sagen? Meiner Margit kann ich vielleicht
einreden, daß wir auch im Winter herumzigeunern müssen, und sei es nur in der
Garage, aber Norbert ist zu sehr Fachmann und kennt sich überdies mit den
Gesetzen aus…
Wie dem
auch sei: Jetzt bekommt meine Margit keine kalten Hände, wenn wir im nächsten
Jahr zum Nordkap fahren…
Wenige Tage
später zog auch Strolchi in unsere Garage: "Ich hab keine Lust auf
gefrorene Scheiben", erklärte mein Freund und Benzinbruder, "und mir
täglich die Scheiben abkratzen zu lassen, ist sehr unangenehm!"
Strolchi
auf unserem Garagenplatz einzuparken war für unsere Margit nicht ganz einfach:
Margit ist gewöhnt, Strolchi mit dem Hintern voran in die Garage zu stellen. Das
geht ruck-zuck. Aber wir wollen ja plaudern und Unsinn aushecken, das geht
einfacher, wenn Strolchi mit seiner Nase bei mir ist. Nach einigen Tagen hatte
unsere Margit es geschafft, meinen Freund und Benzinbruder in einem Zug mit der
Nase zu mir zu setzen, daß wir uns auch ganz leise unterhalten können und nicht
in der Gegend herumschreien müssen.
"Wenn
wir jetzt in der Garage schlafen", reklamierte ich, "erzählst Du uns
dann auch jeden Tag eine Gute-Nacht-Geschichte?"
"Na,
sicher mach ich das", versprach meine Margit, "und was es mit meinem
Kardantunnel-Syndrom und so weiter auf sich hat, erklär ich Dir auch!"
"Und
warum fluchst Du nicht mehr, seit Du auf Kur warst?" Mit meinen Fragen
wollte ich verhindern, daß meine Margit sich schon wieder verabschiedete.
"Das, mein Schatzerl", erklärte meine Margit, "ist eine ganz
lange Geschichte. Und jetzt muß ich nach Hause gehen. Puppi und Burli haben
bestimmt schon einen fürchterlichen Hunger!"
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