Dienstag, 27. Oktober 2015

14) Ennio besucht Carnuntum

14. Kapitel:
Ennio besucht Carnuntum


Seit ich meine Margit habe, bringe ich sie ein- bis zweimal pro Woche nach Bad Deutsch-Altenburg. Das Kurzentrum Ludwigstorff ist auch unter dem Namen Therme Carnuntum bekannt. Meistens mache ich es mir vor dem Thermencafe vom Kurzentrum Ludwigstorff gemütlich und belausche die Gespräche der Kurgäste. Allerdings: Meistens bedeutet nicht immer. Schließlich möchte ich auch wissen, was sich in der Rezeption und sonst vor dem Haus tut!
In der Therme Carnuntum arbeiten viele fesche Damen! Die möchte ich gerne mal auf Motorrad-Art abschleppen: Zuerst mit Kaffee oder sonst 'nem alkoholfreien Drink abfüllen, und dann auf eine Runde auf meinem Sozius einladen! (Bin ich froh, daß meine Margit nicht eifersüchtig ist, sondern gerne mitmacht!)
Da ist beispielsweise die Mikel: Sie schaut drauf, daß meine Margit nicht wie eine alte Hex daherkommt. Und geschminkt hat sie sie auch schon. Strolchi sagt, das paßt Margit, aber sie kann es selbst nicht. Ich hab nichts gegen motorradfahrende Hexen, so lang sie wissen, was einem Oldtimer-Motorrad gut tut! Irgendwie hab ich das Gefühl, es gefällt meiner Margit, hie und da einmal ganz anders auszusehen. Ich hab kein Problem damit, schließlich ist meine Margit eine Frau…

 Mikel bringt die Haare meiner Margit auf Vordermann.
Die Frau Gerlinde liebt Motorräder! Aber leider läßt sie mich nicht ins Thermencafe! Wo ich sie doch so gerne auf ein Kaffeetscherl ("Käffchen") eingeladen hätte - aber das hat alles nix genützt:
"Ennio, hier geht es nicht weiter!" Frau Gerlinde läßt mich nicht ins Thermencafé!
OK - dann versuch ich es mal bei Frau Priska! "Was meinen Sie, Frau Priska, gehen wir ins Thermencafe auf einen Kaffee? Meine Margit hat bestimmt nichts dagegen, wir könnten ja gemeinsam auf Margit warten!"

"Nein", sagt Frau Priska, "das kann ich auch nicht erlauben!"
Dabei hätte ich so gerne im Thermencafe auf meine Margit gewartet, während sie bei Frau Agi ist!


Frau Agi macht aus Bartgeier-Margit eine Frau.
Darf ich überhaupt erzählen, daß meine Margit unter "Damenbart" leidet? Das ist doppelt so schlimm, weil meine Margit behauptet, nie eine Dame gewesen zu sein - und trotzdem hat sie einen Bart, mit dem sie, wie sie behauptet, Conchita Wurst Konkurrenz macht! Aber Margit übertreibt, ihr Ziegenbart nicht wirklich eine Konkurrenz. Aber es fühlt sich für Margit so an. Dabei schätzt sie Conchita Wurst sehr. Auf die Idee, eine Kunstfigur wie Conchita zu erschaffen und zu leben, muß ein Mensch erst einmal kommen. "Conchita" ist eine wirklich schöne Frau, die einen Vollbart trägt. Und eine Stimme hat sie - großartig! Ohne diese tolle Stimme und die großartige Performance hätte "sie" nie den Song Contest 2014 in Kopenhagen gewonnen. Letztendlich muß man sich vor Augen führen, daß sich unter der Kunstfigur Conchita Wurst ein junger Mann namens Tom Neuwirth verbirgt - ein begnadeter Künstler.
Wie auch immer: Zum Glück gibt es Frau Agi, die meine Margit wieder froh und bartlos macht! Wen wundert's, daß meine Margit so gerne nach Bad Deutsch-Altenburg pilgert?
Aber Bad Deutsch-Altenburg besteht nicht ausschließlich aus dem Kurzentrum Ludwigstorff. Ich habe Strolchi gefragt, was denn "Bad Deutsch-Altenburg" und "Carnuntum" sind. Strolchi hat Bad Deutsch-Altenburg mit seinem Bordcomputer gegoogelt und mir erklärt, was ich wissen wollte:
Bad Deutsch-Altenburg ist eine Marktgemeinde im Bezirk Bruck an der Leitha und liegt am rechten Donauufer, an der B9, der Preßburger Bundesstraße. Die nächste größere Stadt ist die Mittelalter-Stadt Hainburg an der Donau mit der großartigen Stadtmauer. Das Autokennzeichen ist BL.
Vom 1. bis zum 5. Jahrhundert n.Chr. lag im Raum Bad Deutsch-Altenburg - Petronell das römische Legionslager und die zivile Stadt Carnuntum. Carnuntum war zeitweise Hauptstadt der römischen Provinz Pannonien. Carnuntum verfiel allerdings schrittweise nach einem schweren Erdbeben von 350 n.Chr.
Bad Deutsch-Altenburg entstand um eine Burg aus dem 11. Jahrhundert, wurde 1297 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt 1579 das Marktrecht. Der Namenszusatz "Deutsch-" dient der Unterscheidung von Mosonmagyaróvár (Ungarisch-Altenburg) in Westungarn.
Die Hauptattraktion von Bad Deutsch-Altenburg ist die stärkste Jod-Schwefel-Quelle in Mitteleuropa. Ihr Wasser wird in der Therme Carnuntum zur Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates, Nervenleiden, Hauterkrankungen und rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Schon die alten Römer - nicht die alten Damen und Herren, die in Rom leben, nein, gemeint sind hier jene Römer, denen die Gymnasiasten den oft verhaßten Lateinunterricht verdanken - nun, schon jene alten Römer wußten die Quelle zu schätzen und zu nutzen. Archäologische Ausgrabungen und Ruinen - sowohl der römischen Badekultur als auch andere - beweisen es.
Mein Freund und Benzinbruder Strolchi hat erzählt, daß Margit im vergangenen Jahr in Bad Deutsch-Altenburg auf Kur war: "Hundert pro, die haben da auch Anwendungen gegen das Fluchen!" Strolchi zwinkerte mir verschwörerisch zu, "Damals hättest du sie hören müssen! Geflucht hat sie wie ein türkischer und ein rumänischer Brummifahrer zusammen, wenn sie beim Schmuggeln erwischt werden! Was meinst du, woher ich meine schöne schamesrote Farbe habe? Aber jetzt flucht sie gar nicht mehr so oft, dafür singt sie schon in der Früh! Was sie sonst gemacht hat, weiß ich nicht so genau, aber sie hat wieder regelmäßig zu singen begonnen. Nix mehr mit ihren Flüchen, sie singt und hat immer gute Laune! Nicht einmal der Montagmorgen-Stau auf der Süd-Ost-Tangente bringt sie aus der Ruhe!“
Naja - alles darf man meinem Freund nicht glauben, vor allem dann, wenn er einen ganz bestimmten Gesichtsausdruck bekommt. Aber wie dem auch sei, ich werde Margit gelegentlich fragen, was sie damals auf der Kur gemacht hat. Auf jeden Fall macht man seither was gegen ihr Kardantunnel-Syndrom. Das ist wichtig.
Das ganze Gebiet um Bad Deutsch-Altenburg herum ist sehr interessant. Hier haben nämlich die alten Römer gehaust! Ein Überbleibsel von denen ist das sogenannte Heidentor, ein spätantikes Siegesdenkmal aus dem 4. Jahrhundert n.Chr. Es steht in unmittelbarer Nähe des römischen Carnuntum, eines bedeutenden Legionslagers am Limes Pannonicus und Hauptstadt der Provinz Oberpannonien.


Das Heidentor bei Carnuntum


Das Heidentor im Archäologischen Park Carnuntum ist das Wahrzeichen von Petronell-Carnuntum und der gesamten Region. Obwohl die Ruine zu zwei Dritteln zerstört ist, hinterläßt sie einen imposanten Eindruck und hat die Zeiten besser als alle anderen Bauwerke der antiken Stadt überdauert.




Zwischen 1998 und 2001 wurde das Denkmal aufwändig untersucht und nach den neuesten wissenschaftlichen Methoden von Grund auf restauriert und konserviert.
Nach der Besichtigung des Heidentores zuckelten wir gemütlich heimwärts.


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