Samstag, 24. Oktober 2015

09) Die Batterie ist im Eimer...

9. Kapitel:
Die Batterie ist im Eimer

Sonntag ist Wellnesstag! Ich freue mich jedes Mal, wenn meine Margit mit ihrem Plastikstockerl und dem vollgefüllten Kübel mit den feinen Wellnessprodukten wie Lederpflege, Lackpflege und Chrompflege zu mir kommt. Während Margit mich hegt und pflegt, plaudern wir und planen, was wir in der kommenden Woche anstellen möchten.
Igitt! Sie poliert schon wieder meine Auspuffrohre! Himmel, Donnerwetter, das kitzelt! Jetzt hat sie es bemerkt! "Siehst Du, Ennio, so wie Dir geht es mir bei der Fußpflege! Das kitzelt auch, ich empfinde das als angenehm und könnte schnurren wie ein Kätzchen!" Ich hatte verstanden. Meine zwei Auspuffrohre sind doch nicht mit dem Rohr, das Menschenmänner haben, vergleichbar. Naja - kleine Babymopeds entstehen sowieso bei der Starthilfe.
Nach einer Zeit des Genießens räumte meine Margit meine Wellnessprodukte in den Kübel, trug selbigen und das Stockerl hinauf in ihre Wohnung und kam wieder zu mir zurück. Jetzt wollte ich endlich mein Frühstück haben! "Scheiße zum Quadrat", flucht Margit, irgendetwas stimmte mit meiner Batterie nicht!
Margit versuchte nur zweimal - einmal mit Choker, einmal ohne - mich zu starten. Dann kramte sie ihr Handy aus dem Hosensack und brüllte nach dem ÖAMTC. Naja - gebrüllt hat sie nicht gerade, sie hat ihre/n Gesprächspartner/in ganz höflich gebeten, einen Pannenhelfer vorbeizuschicken: "Ich habe immense Startprobleme!" Wieso sie? Die Startprobleme hatte doch ich! Ich bin sicher, sie hat zu Hause genug von ihrem Schönheitswässerchen geschlappert, da kommt sie gut auf Touren! (Strolchi hat mir verraten, daß meine Margit täglich eine Riesenmenge eisgekühlten Kaffee trinkt; von kaltem Kaffee wird man bekanntlich schön. Wenn Margit über dieses Thema eine Predigt hält, sagt sie meistens: "Entweder ist das ein Aberglaube, oder ich sollte mal überlegen, wie ich aussehe, wenn ich keinen kalten Kaffee trinke." Meistens hat sie die Lacher auf ihrer Seite, und deshalb sagt sie es ja.)
Der Pannenhelfer kam in Rekordzeit. Sofort machte er sich daran, meine Batterie durchzumessen. Was ich befürchtet hatte, wurde zur Wirklichkeit: Eine Zelle war hinüber. Und der ÖAMTC hat keine Ersatzbatterien für Motorräder.
"Ennio, mein Schatz", tröstete Margit mich, "jetzt haben wir wieder mal die Kacke am Dampfen. Du hast selbst gehört, daß dein Ex-Chef gesagt hat, die Batterie wird demnächst den Geist aufgeben. Jetzt ist es so weit. Sobald Du wieder laufen kannst, bekommst Du, je nach Tageszeit, ein ordentliches Frühstück oder Mittag- oder Abendessen. Aber zuerst brauchst Du eine neue Batterie, und die kann ich dir leider erst morgen besorgen!" Obwohl niemand etwas dafür konnte, ärgerte ich mich gewaltig und ließ meinem Ärger freien Lauf.
Nach einiger Zeit schien es Strolchi zu viel zu werden: "Ennio, heute ist Sonntag, da sind in Österreich alle Geschäfte zu, und in Tschechien - nun, Margit würde ich mit ihrem Tschechisch nicht raten, eine Batterie für Dich zu kaufen! Aber morgen sind die Geschäfte wieder offen, und spätestens am Nachmittag haben wir eine Batterie für Dich besorgt!" Er ist wirklich ein wundervoller Freund, mein Benzinbruder Strolchi.
Obwohl eigentlich ich an der Reihe gewesen wäre, mußte nun Strolchi meine Margit zuerst zur Therapie nach Bad Deutsch Altenburg und dann zu dem Geschäft bringen, wo es so viele Motorradbatterien gibt, daß sie verkauft werden müssen. Aber leider: Schon wieder konnte ich nicht loszwitschern! "Ennio, ich hab die beste Batterie besorgt, die du brauchst", erklärte Margit, "leider muß ich sie erst befüllen und laden." "Und warum hast du keine gebrauchsfertige genommen?" reklamierte ich.
"Ennio, ich kenne das Geschäft, wo ich Deine Batterie gekauft habe, sehr gut, es ist vertrauenswürdig. Aber ich kenne mich mit Batterien nicht besonders gut aus. Ich denk halt, eine frisch befüllte Batterie ist besser als eine, die schon lange im Geschäft herumsteht, auch wenn sie nur vorgeladen ist." Das sah ich ein.
Margit holte ihr Einkaufswagerl und füllte es mit der Batterie, Batteriesäure und einem neuen Ladegerät an. Und ich konnte nur warten!
Bei unserer allabendlichen Konferenz fragte ich Margit, warum denn das mit meiner neuen Batterie so lange dauert. "Ennio, alles braucht seine Zeit." Großartige Erkenntnis! "Ich gebe zu, ich hatte so meine Schwierigkeiten mit dem Befüllen der Batterie, aber ich hab es geschafft. Jetzt hängt die Batterie am Ladegerät. Es ist ein besonders gutes Ladegerät, weil die Batterie langsam geladen wird. Dadurch hält sie länger."
Das sah ich ein. Ich hab auch nicht mehr vor mich hingeflucht, sondern brav geschlafen, bis meine Margit in der Früh wieder zu mir gekommen ist!


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