9.
Kapitel:
Die
Batterie ist im Eimer
Sonntag
ist Wellnesstag! Ich freue mich jedes Mal, wenn meine Margit mit ihrem
Plastikstockerl und dem vollgefüllten Kübel mit den feinen Wellnessprodukten
wie Lederpflege, Lackpflege und Chrompflege zu mir kommt. Während Margit mich
hegt und pflegt, plaudern wir und planen, was wir in der kommenden Woche
anstellen möchten.
Igitt!
Sie poliert schon wieder meine Auspuffrohre! Himmel, Donnerwetter, das kitzelt!
Jetzt hat sie es bemerkt! "Siehst Du, Ennio, so wie Dir geht es mir bei
der Fußpflege! Das kitzelt auch, ich empfinde das als angenehm und könnte
schnurren wie ein Kätzchen!" Ich hatte verstanden. Meine zwei Auspuffrohre
sind doch nicht mit dem Rohr, das Menschenmänner haben, vergleichbar. Naja -
kleine Babymopeds entstehen sowieso bei der Starthilfe.
Nach
einer Zeit des Genießens räumte meine Margit meine Wellnessprodukte in den
Kübel, trug selbigen und das Stockerl hinauf in ihre Wohnung und kam wieder zu
mir zurück. Jetzt wollte ich endlich mein Frühstück haben! "Scheiße zum
Quadrat", flucht Margit, irgendetwas stimmte mit meiner Batterie nicht!
Margit
versuchte nur zweimal - einmal mit Choker, einmal ohne - mich zu starten. Dann
kramte sie ihr Handy aus dem Hosensack und brüllte nach dem ÖAMTC. Naja -
gebrüllt hat sie nicht gerade, sie hat ihre/n Gesprächspartner/in ganz höflich
gebeten, einen Pannenhelfer vorbeizuschicken: "Ich habe immense
Startprobleme!" Wieso sie? Die Startprobleme hatte doch ich! Ich bin
sicher, sie hat zu Hause genug von ihrem Schönheitswässerchen geschlappert, da
kommt sie gut auf Touren! (Strolchi hat mir verraten, daß meine Margit täglich
eine Riesenmenge eisgekühlten Kaffee trinkt; von kaltem Kaffee wird man
bekanntlich schön. Wenn Margit über dieses Thema eine Predigt hält, sagt sie meistens:
"Entweder ist das ein Aberglaube, oder ich sollte mal überlegen, wie ich
aussehe, wenn ich keinen kalten Kaffee trinke." Meistens hat sie die
Lacher auf ihrer Seite, und deshalb sagt sie es ja.)
Der
Pannenhelfer kam in Rekordzeit. Sofort machte er sich daran, meine Batterie
durchzumessen. Was ich befürchtet hatte, wurde zur Wirklichkeit: Eine Zelle war
hinüber. Und der ÖAMTC hat keine Ersatzbatterien für Motorräder.
"Ennio,
mein Schatz", tröstete Margit mich, "jetzt haben wir wieder mal die
Kacke am Dampfen. Du hast selbst gehört, daß dein Ex-Chef gesagt hat, die
Batterie wird demnächst den Geist aufgeben. Jetzt ist es so weit. Sobald Du
wieder laufen kannst, bekommst Du, je nach Tageszeit, ein ordentliches
Frühstück oder Mittag- oder Abendessen. Aber zuerst brauchst Du eine neue
Batterie, und die kann ich dir leider erst morgen besorgen!" Obwohl
niemand etwas dafür konnte, ärgerte ich mich gewaltig und ließ meinem Ärger
freien Lauf.
Nach
einiger Zeit schien es Strolchi zu viel zu werden: "Ennio, heute ist
Sonntag, da sind in Österreich alle Geschäfte zu, und in Tschechien - nun,
Margit würde ich mit ihrem Tschechisch nicht raten, eine Batterie für Dich zu
kaufen! Aber morgen sind die Geschäfte wieder offen, und spätestens am
Nachmittag haben wir eine Batterie für Dich besorgt!" Er ist wirklich ein
wundervoller Freund, mein Benzinbruder Strolchi.
Obwohl
eigentlich ich an der Reihe gewesen wäre, mußte nun Strolchi meine Margit
zuerst zur Therapie nach Bad Deutsch Altenburg und dann zu dem Geschäft bringen,
wo es so viele Motorradbatterien gibt, daß sie verkauft werden müssen. Aber
leider: Schon wieder konnte ich nicht loszwitschern! "Ennio, ich hab die
beste Batterie besorgt, die du brauchst", erklärte Margit, "leider
muß ich sie erst befüllen und laden." "Und warum hast du keine
gebrauchsfertige genommen?" reklamierte ich.
"Ennio,
ich kenne das Geschäft, wo ich Deine Batterie gekauft habe, sehr gut, es ist
vertrauenswürdig. Aber ich kenne mich mit Batterien nicht besonders gut aus.
Ich denk halt, eine frisch befüllte Batterie ist besser als eine, die schon
lange im Geschäft herumsteht, auch wenn sie nur vorgeladen ist." Das sah
ich ein.
Margit
holte ihr Einkaufswagerl und füllte es mit der Batterie, Batteriesäure und
einem neuen Ladegerät an. Und ich konnte nur warten!
Bei
unserer allabendlichen Konferenz fragte ich Margit, warum denn das mit meiner
neuen Batterie so lange dauert. "Ennio, alles braucht seine Zeit."
Großartige Erkenntnis! "Ich gebe zu, ich hatte so meine Schwierigkeiten
mit dem Befüllen der Batterie, aber ich hab es geschafft. Jetzt hängt die
Batterie am Ladegerät. Es ist ein besonders gutes Ladegerät, weil die Batterie
langsam geladen wird. Dadurch hält sie länger."
Das
sah ich ein. Ich hab auch nicht mehr vor mich hingeflucht, sondern brav geschlafen,
bis meine Margit in der Früh wieder zu mir gekommen ist!
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