13. Kapitel:
Einkäufe
mit Hindernissen
Nach
meinem langen Krankenstand hatte ich verständlicherweise riesengroßen
Nachholbedarf. Wochenlang in der Werkstätte herumlümmeln und nicht unterwegs
sein können - wer hält denn das aus? Wen wundert es, daß meine 50 Pferdchen
freudig aufjubelten, als Margit und ich an diesem Mittwoch nach Znojmo
aufbrachen. Diesmal bogen wir nach der Brücke über den Daniz bremsseitig ab. Am
Ende der Straße wohnt Herr Zemčik. In seinem Haus hat er auch seine Werkstätte.
Er ist Strolchis Lieblingsmechaniker. Auch wenn er Automechaniker ist und keine
Motorräder repariert, ich wollte ihn kennenlernen.
Margit
sah das naturgemäß ein bißchen anders: Sie wollte mich Herrn Zemčik als ihren
zweirädrigen Lebensgefährten vorstellen - was ich auch bin! Schließlich möchte
sie sich immer und überall mit mir schmücken! Sie läutete an seiner
Werkstättentüre. Er öffnete nach ganz kurzer Zeit. Ich wunderte mich, daß sie
den netten Herrn auf tschechisch mit: "Dobrý rano, pane Zemčik!"
begrüßte - wo er doch perfekt deutsch spricht! Oder muß man sich bei Margit
über gar nichts wundern? "Ich möchte Ihnen jemanden vorstellen!"
Wie
schon so oft schlug mein Motorenherz einen Trommelwirbel: Margit sagt nie: 'ich
möchte Ihnen etwas zeigen', nein, sie stellt mich jemandem vor! Strolchi hatte
von Anfang an recht, ich darf für meine Margit eine Person sein: ihr Freund,
mit dem sie und der mit ihr durch dick und dünn geht.
Als
Herr Zemčik mich sah, bekam er ganz große Augen! Er sah mich an, dann sah er
Margit an, und dann sagte er: "Jeder Mensch braucht etwas fürs Herz! Ist
Strolchi nicht eifersüchtig?" "Aber nein", beruhigte Margit,
"Ennio und Strolchi sind die besten Freunde!" Dann staunte ich, daß
Margit, für herrn Zemčik besonders interessant, meine technischen Daten so perfekt herunterbeten konnte.
Margit
hat mich fürs Herz, und Herr Zemčik hat neben seiner Frau das Angeln. So hat
jeder was fürs Herz. Im Urlaub in der Slowakei, hat er erzählt, hat er einen
14-kg-Karpfen gefangen und wieder freigelassen. Warum hat er den nicht
gegessen? Kann es sein, daß Herr Zemčik nicht nur die deutsche und die
tschechische, sondern auch eine bestimmte Untergruppe der lateinischen Sprache
beherrscht - das Anglerlatein?
Unterwegs
zum Albert fragte ich Margit, ob Herr Zemčik Anglerlatein gesprochen hätte.
"Zuerst einmal, Ennio: Der Karpfen ist bei Anglern sehr beliebt, weil er
ein starker Kämpfer ist. Er wird sehr groß und läßt sich durch Anfüttern
selektiv beangeln. Karpfen mit 10 bis 15 kg gelten als bemerkenswerter Fang. Es
ist sehr verbreitet, den gefangenen Fisch wieder freizulassen. Außerdem möchte
ich stark bezweifeln, daß so ein 14-kg-Karpfen noch gut schmeckt. Also: Höchstwahrscheinlich
kein Anglerlatein…"
Daß
wir der Thaya noch einen Besuch abstatteten, versteht sich von selbst. Die
Thaya, die auf Tschechisch Dyje heißt, ist ein Nebenfluß der March. Sie ist
235,4 km lang, hat zwei Quellflüsse - die Deutsche und die Mährische Thaya -
und einen stark gewundenen Lauf. Zu einem großen
Teil verläuft sie an der Staatsgrenze zwischen Niederösterreich und Mähren,
bildet aber nur selten exakt die Grenze. Der Name des Gewässers leitet sich vom
ostgermanischen "Duhja" ab, was soviel wie "Schlamm" bzw.
"Sumpf" bedeutet. Frühere Schreibweisen sind auch Taya oder Taja.
Margit
rauchte noch eine von ihren unvermeidlichen Viceroy's, dann verabschiedeten wir
uns von dem Fluß, der in Margits Leben so eine große Rolle spielt und standen
bald beim Albert. Margit ging noch zum Bankomaten, kaufte ein und
steckte die Sachen in meine Packtaschen. Dann machten wir uns auf zum Kaufland.
"So, mein Schatz", erklärte Margit, als sie mich vor dem Kaufland im
Schatten einparkte, "jetzt muß ich noch in die Trafik, und dann können
wir!" Als sie sich ein Einkaufswagerl griff, schwante mir Übles…
Oh
Scheiße! Ich hatte mit meiner Vermutung Recht behalten: Margit hatte nochmals
eingekauft! Leider hatte sie so viel eingekauft, daß es nicht in meine winzigen
Packtaschen paßte! Warum, zum dreimal gehörnten und neunmal geschwänzten Teufel
gibt sie mir nicht endlich meine neuen Packtaschen! Ich ärgerte mich grün und
blau!
Was
war nur los mit mir? Ich ärgerte mich und ärgerte mich, der Ärger hörte nicht
auf. Ich hatte mir schon vorgenommen, mit Margit darüber zu sprechen, sobald
wir zu Hause angekommen waren - da passierte es! Shit! Unmittelbar dort, wo
man zum ÖAMTC abbiegt, ist das Schläucherl von der Kühlung geplatzt, und Margit
hatte die ganze heiße Kühlflüssigkeit auf das linke Bein bekommen! Margit
jedoch blieb cool: "Da haben wir aber Glück gehabt!" Mit diesen
Worten bog sie bremsseitig zum ÖAMTC ab…
Es dauerte eine Weile, bis ich an die Reihe kam.
Obwohl mir meine Margit klar machte, daß alles seine Zeit braucht und alle
Patienten nacheinander an die Reihe kämen, ärgerte ich mich. Zwischendurch
telefonierte sie mit Claudia: "Bitte kannst du meine Kinder füttern? Ich
häng mit Ennio beim ÖAMTC!"
Was Claudia darauf sagte, habe ich nicht gehört.
Auch das ärgerte mich. Erst als mich Margit besorgt fragte: "Ennio, was
ist los mit Dir?" kam ich zur Besinnung. Dann - nach mehr als einer Stunde
- war ich an der Reihe. Der Mechaniker vom ÖAMTC ersetzte den Schlauch und die
verlorene Kühlflüssigkeit, dann konnten wir endlich nach Hause fahren.
Während Margit meine Packtäschchen entleerte, kam
Claudia, mit Norbert im Schlepptau, und erkundigte sich nach mir. Norbert
erkannte sofort, daß ein gewöhnlicher Kabelbinder, mit dem das Druckschläucherl
befestigt war, gar nicht geht! Da muß schon etwas Hitzefestes her…
Himmel, Arsch und Wolkenbruch, was juckt da an
meiner kupplungsseitigen Batterieabdeckung? Und erst der Auspuff! Das brennt ja
wie die Hölle! Gerade hat Margit gesagt, morgen gehen wir baden! Erst morgen?
Wie soll ich das nur aushalten?
Nun kam aber wieder Norbert ins Spiel! Norbert, Du
bist der Beste! Sagt doch glatt, Margit soll sofort mit einem Kübel Wasser
kommen und mich abwaschen! Das hat meine Margit auch sofort gemacht. Norbert,
Du hast was gut bei mir…. Und dann kam Claudia, schnappte sich die Bürste und
wusch mich noch einmal ab!
Jetzt fühle ich mich wieder wohler.
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