Samstag, 24. Oktober 2015

10) Ennio vor der Apotheke

10. Kapitel:
Ennio vor der Apotheke

Jetzt war die Sache mit der Batterie endgültig ausgestanden: Unsere ganze Familie - Margit, Strolchi und letztlich auch ich - hatten zusammengehalten und letztendlich alles wieder ins rechte Lot gerückt. Dann hatte Margit den ÖAMTC gerufen, ein netter Pannenfahrer hatte meine Batterie fachgerecht montiert, und weil ich so brav gewesen war und gar nicht geschimpft hatte, hatte mich der Herr Brunner noch fünf Liter Super-Bleifrei schlappern lassen.
Aber mit 5 Litern ist mein Tank noch nicht voll. Das sagte ich meiner Margit sehr deutlich, sie kann mich ja nicht verhungern und verdursten lassen! "Ich mach dir einen Vorschlag, Ennio: Wir fahren zuerst zur Apotheke, und dann kriegst du ein gepflegtes Frühstück. Ist das OK für dich?"
Und ob das OK war! Nur: Was, zum Kuckuck, sollte die Apotheke sein? "Ich hab mal gehört, daß die Pferde vor die Apotheke kotzen gehen! Meine 50 Pferdchen müssen aber gar nicht kotzen!" Darauf bekam meine Margit einen regelrechten Lachkrampf! "Nein, Ennio", antwortete sie mir unter Lachtränen, "das ist doch nur ein Sprichwort! Meistens heißt es: >Ich hab schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen<. Und dieses Sprichwort drückt aus, daß man irgend etwas für ganz und gar unmöglich hält. Motorräder und Autos sagen in diesem Fall, der Leukoplastbomber singt eine Opernarie!" 
"Jetzt hast du mich auch neugierig gemacht", mischte sich mein Freund und Benzinbruder Strolchi ins Gespräch, "woher kommt denn diese Redensart? Ich hab gehört, Pferde können gar nicht kotzen!"
"Das stimmt, Strolchi", antwortete Margit, "daß Pferde nicht kotzen können, ist anatomisch bedingt. Bei Pferden sitzt zwischen Magen und Speiseröhre ein Schließmuskel, der die Bewegung des Speisebreis nur in eine Richtung zuläßt. Dazu kommt noch der lange Hals. Das alles verhindert, daß Pferde kotzen. Dadurch kommt es auch oft zu Koliken. In extremen Fällen, wenn der Darm des Tieres total verstopft ist, kann auch ein Pferd kotzen - allerdings nicht durch das Maul, sondern durch die Nasenlöcher. Aber kaum ein Tierarzt hat sowas mit eigenen Augen gesehen."
"Aber was hat das mit der Apotheke zu tun?" Wenn schon, dann wollte ich alles wissen! "Die Apotheke dient in dieser Redensart wohl nur zur Unterstreichung der Unmöglichkeit - wo doch in der Apotheke die Heilmittel parat wären!"
"Und was ist jetzt die Apotheke", wollte ich wissen, "müssen wir jetzt nach Znojmo fahren?"
"Aber nein, Ennio", beruhigte mich Margit, "Meine Lieblingsapotheke ist gar nicht weit von hier! Und weil Du alles genau wissen willst: Apotheke nennt man ein Geschäft - und jetzt kehre ich mal den Hobbyjuristen heraus - also, als Apotheke wird heute ein Ort bezeichnet, an dem Arzneimittel und Medizinprodukte abgegeben, geprüft und manchmal auch hergestellt werden. Soweit der Gesetzestext.
Das Wort 'Apotheke' kommt vom griechischen ἀποθήκη, gesprochen 'apothiki', und bedeutet wörtlich Aufbewahrungsort für Vorräte allgemein, besonders aber für das Weinlager, wo der Wein in Amphoren aufbewahrt wurde. In Klöstern wurde so oder auf Lateinisch 'apotheka', der Raum zur Aufbewahrung von Heilkräutern bezeichnet."
Jetzt war ich aber gespannt! Margit startete mich an, und schon ging es durch die ewiglange 30er-Zone in Richtung Bandl - womit ich hier die A2 -Südautobahn - meine. Aber bereits nach der zweiten Querung der Straßenbahnschienen wurde unsere Fahrt ein bißchen illegal - aber nur ein kleines bißchen! Anstatt die Straße wie üblich geradeaus zu fahren, bog Margit rechts ab und lenkte mich über eine Abschrägung und zwischen zwei Stangen hindurch auf einen riesigen Platz. Kupplungsseitig sah ich ein Kaffeehaus, vor dem einige seltsame Gestalten ihr Gesöff genossen, danach eine Bank und dann folgte ein Geschäftslokal, über dem groß und deutlich Wienerberg-Apotheke stand! Margit stellte meinen Motor ab, setzte mich auf meinen Ständer und stieg von mir ab. Wie eine Wrestler-Königin durchschritt sie die Türe. Was weniger königliches Benehmen war: meine Margit rief lauthals in die Apotheke hinein: "Will jemand das beste, schönste, effektivste Antidepressivum anschauen, das keine Krankenkasse verschreibt?" Postwendend kam ein junger Mann im weißen Apothekerkittel heraus und schaute mich bewundernd an. Selbstverständlich mußte meine Margit meine technischen Daten herunterbeten, und danach war natürlich Motorradfahrerlatein angesagt!
Dann mußte Margit noch ein Rezept über Metformin einlösen. Das gefällt diesem Allerwertesten Herrn Diabetes überhaupt nicht, er zieht sich schmollend zurück. Und das ist gut so. Mir war sonnenklar: Meine Margit hatte sich wieder einmal mit mir geschmückt! Und das freute mich.
Jetzt noch ungefähr 500 Meter - dann konnte ich mir den Tank mit einem ganz feinen Sprit vollschlagen. Margit führte mich von der Zapfsäule weg und betrat den Kiosk. Schließlich sind wir keine Zechpreller…



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